Die Stumm-Orgel von 1735

in der St. Laurentiuskirche in Leutesdorf

 

Es gibt ziemlich viele Schriften und Gutachten zu einer solch alten und schönen Orgel aus der berühmten Orgelbauwerkstatt Stumm. Hier ist eine Arbeit wiedergegeben, die Werner Schönhofen vor Jahren angefertigt hat und die sehr angenehm zu lesen ist.

Unter dem Artikel ist ein Bild von der Orgel und darunter folgt noch ein kleiner Bericht über den damaligen Pastor Johann Georg Bock aus Leutesdorf.

250 Jahre Stumm-Orgel in Leutesdorf

 

1986 wurde die klangschöne Leutesdorfer Stumm-Orgel 250 Jahre alt. Aus diesem Anlass sei einiges über die Geschichte der Orgel berichtet. Dazu greife ich zunächst auf Pfarrbriefe aus dem Jahre 1967 zurück, in denen Bruder Suitbert Vöing  damals über unsere Stumm-Orgel schrieb (auszugsweise Wiedergabe):

„Im Jahre 1711 kam ein neuer Pastor nach Leutesdorf. Er hieß Johann Georg Bock, stammte aus Fulda, hatte dort studiert und war einige Jahre an der Liebfrauenkirche in Koblenz Kaplan. Er fand in Leutes­dorf ein schlechtes Pfarrhaus vor und eine kleine, alte Kirche, deren Hochaltar nach einem Bericht von Jahre 1727 armselig und deren eine Seitenwand dem Einsturz nahe war. Zum Bau und zur Instandhaltung der Pfarrkirche war der Trierer Kurfürst und Erzbischof verpflichtet, weil ihm als dem Landesherrn der „nasse Zehnt“ zustand. Das heißt, von fast allen Wingerten in der Gemarkung Leutesdorf erhielt er im Herbst den zehnten Teil der eingesammelten Trauben, die im Kelterhaus des Zehnthofes zu Wein bereitet wurden. Aus diesem Zehntrecht erwuchs ihm ferner die Pflicht, für den Hochaltar und dessen Beleuch­tung durch Kerzen, für das Öl zum ewigen Licht und für die Osterkerze zu sorgen. Ob Pastor Bock Mühe gehabt hat, den Kurfürsten von der Notwendigkeit des Kirchenbaues zu überzeugen, ist uns nicht überliefert. Doch ist im ältesten Nachbarschaftsbuch der Fischgasse der Beginn der Bauarbeiten aufgezeichnet: „Anno 1728 den 8ten feberwaris (Februar) ist ein anfang gewesen, die Kirch abzupregen (abzubrechen)“. Die neue Kirche, wie sie heute noch steht, war 1731 fer­tig und hatte wahrscheinlich einen sehr einfachen Hochaltar. Im übrigen war sie leer, denn die Ausstattung des Kirchenschiffes ob­lag der Gemeinde.

 

Was mag Pfarrer Bock veranlasst haben, als erstes eine solch präch­tige und kostbare Orgel zu beschaffen? Liebe zur Kirchenmusik und der Wunsch nach würdiger Feier des Gottesdienstes werden bei sei­nem Entschluss maßgebend gewesen sein. Auch muss er Vertrauen in das Verständnis und die Opferfreudigkeit seiner Pfarrkinder gesetzt haben, als er mit dem Orgelbauer Johann Michael Stumm zu verhandeln begann. Ihn lernte der Leutesdorfer Pfarrer Johann Georg Bock wahrscheinlich kennen, als er sich im Auftrage des Trierer Kurfürsten wegen einer Landaufnahme im Hochgerichtsbezirk Rhaunen (auf dem Hunsrück) aufhielt.  Bevor Pastor Bock um 1735 bei Stumm eine Orgel für Leutesdorf bestellte,  hat er sich gewiss einige der Werke angeschaut und angehört, die Stumm schon geliefert hatte.

 

Die Stumm´sche Werkstatt in Sulzbach war ein Familienbetrieb. Von den acht Kindern Johann Michaels erlernten vier Söhne das Handwerk des Vaters. Die älteren drei meinte der Leutesdorfer Gastwirt Peter Breuer, als er seine Rechnung mit folgendem Satz begann: Anno 1736 den 19ten Augusty seindt bey mich kommen die drei Orgelmacher.“ Sie hießen Johann Philipp (geb. 1705). Johann Nikolaus (geb. 1706) und Johann Heinrich (geb. 1715). Über den jüngsten Stumm, den damals erst 16 Jahre alten Johann Friedrich, schrieb Peter Breuer: „Noch haben sie ihren Bruder allhier gehabt“. Da er geringe Zehrungskosten für ihn berechnete, hat sich Johann Friedrich nur zu kurzem Besuch in Leutesdorf aufgehalten. Als letzten Gast nennt Peter Breuer einen „Herrn Bilthauer“. Von ihm dürfte das reiche Schnitzwerk stammen, mit dem das Orgelgehäuse geschmückt ist. Sein Name ist nicht überliefert. Doch wissen wir aus den Münstermaifelder Rechnungen, dass der Bildhauer Matheiß Gärtner für diese Orgel, (die ebenfalls von Stumm 1722 erbaut wurde), vier Engel und einen König David mit Harfe geliefert hat.

Wenn die Brüder Stumm in ihrer Sulzbacher Werkstatt eine neue Orgel fertiggestellt hatten, brachten sie das wiederabgebaute Werk auf Pferdewagen nach Kirn oder Bingen oder an einen Moselort zum Weitertransport auf dem Wasserweg. Die Orgel für Münstermaifeld wurde 1722 in Moselkern aufgeladen. Die Orgel für Wertheim am Main führte man 1767 auf „6 Wagen 12 Stund weit zu Land“ nach Bingen. Denselben Weg nahm 1776 die Orgel der Abtei Sayn, die in Mülhofen bei Engers an Land kam. Über die Beförderung der Leutesdorfer Orgel wissen wir nur, dass Pastor Bock „den Schiffern, so die Orgel gebracht, 20 Reichsthaler“ gegeben hat.

 

Aus dem Vertrag, den Johann Michael Stumm 1731 mit den Stiftsherren von Münstermaifeld schloss, geht hervor, dass diese Orgel für 1000 Gul­den geliefert werden sollte. Auch das Werk für die Hofkirche der Für­sten zu Leiningen an der Eis, das mit der Leutesdorfer Orgel  gleichzeitig in Arbeit war, kostete 1000 Gulden. Ein Vertrag für Leutesdorf ist nicht erhalten. Doch kann man aus den Notizen des Pfarrers auf den gleichen Preis schließen. Er schreibt: “Herrn Stum  zahlt 440 Gulden“. Seinen Herren Söhnen 50 Gulden.“ An anderer Stelle: „150 Gulden haben die Orgelmacher bekommen.“

Mit einer Restschuld von 243 Reichstalern musste Pastor Bock laut Schuldschein vom 23. März 1738 mit 5 % verzinsen. Zusammengestellt ergeben diese Beträge die Summe von rund 1000 Gulden.

Außer Geldbeträgen spendeten die Leutesdorfer auch Wein für ihre Orgel. Der Wein galt in seinen Anbaugebieten als übliches Zahlungsmittel da es dem Winzer oft an Bargeld fehlte. Das Einsammeln besorgte der Lehrer der sich als zukünftiger Orgelspieler gewiss besonders angesprochen fühlte, für die Bezahlung „seines“ Instrumentes nach Kräften beizutragen. Er verkaufte diesen Wein, und der Pfarrer schrieb in seine Liste: „magister gibt 40 rthr wegen des Orgelweins so er ausgehoben.“ Zum größten Teil unleserlich ist ein Bericht Pastor Bocks über weitere vier Fass Wein vom „Herbst 1736“.

Daran waren beteiligt Christ Emmerich, ein weiterer Christian, dessen Familienname nicht zu entziffern ist, Matheiß Nalbach und Peter Mertens. Auch dieser Wein – es waren 29 ½ Ohm – wurde verkauft, „die Ohm per 6 rthr, facit (macht) 177 rthr“. Zählt man diese Beträge zusammen und rechnet die Reichstaler in Gulden um (2 rthr. = 3 Gulden), kommt man auf fast 600 Gulden. Diese Summe wäre höher, wenn Pastor Bock auch die kleinen Spenden aufgezählt hätte, statt zu schreiben: „Die übrigen werden Herrn Schultheißen erfindlich sein.“  Nimmt man außerdem noch die Restschuld von 243 Reichstalern (=365 Gulden) hinzu, über die der Orgelbauer Johann Michael Stumm im Jahre 1738 einen Schuldschein erhielt, ergibt sich die Summe von rd. Tausend Gulden die dem errechneten Kaufpreis entspricht. Weder die Restschuld noch den Zins konnte der Pastor Bock aufbringen und so war am 23. September 1741 die Schuld auf 286 Reichstaler angewachsen. Erst nach seinem Tode im Jahre 1742 wurde sie beglichen.

 

Spendeten die Winzer Wein für die Anschaffung der Orgel, so kamen die Geldspenden z.B. von den örtlichen Beamten. Alle fünf Zollbeamten, die zur Zeit des Orgelbaues in Leutesdorf lebten, haben groß­zügig für die Orgel gespendet. Der bestgestellte Mann des Dorfes war Hofrat Ernst Anton Sohler, der als Vorgesetzter der Zollstätte den Titel Zollschreiber führte. Er schenkte 120 Gulden und gab den Orgelbauern während ihres sechswöchigen Aufenthaltes in Leutesdorf an zehn Tagen das Mittagessen. Sein Sekretär, der Nachschreiber, wird in der Liste Pastor Bocks nicht mit seinem Amtstitel, sondern nur mit Familiennamen genannt. Er hieß Karl Kaspar Josef Hoffmann und wurde 1671 in Hammerstein als Sohn des dortigen Schultheißen und Zoll-Nachschreibers Johannes Hoffmann geboren. Sein Taufpate war (in Abwesenheit) der Trierer Kurfürst und Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen (1652-1676). Der junge Hoffmann studierte in Wien und Prag und folgte seinem Vater als Nachschreiber des Leutesdorfer Zolls. Er spendete für die Orgel 26 Reichstaler. Vom Herrn Beseher Arnold Müller, der die Orgelmacher in der vierten Woche “in der Kost gehat“ und außer­dem 25 Gulden beisteuerte, und vom Herrn Nachgänger: Johann Anton Coblentz, bei dem die Brüder Stumm in der sechsten Woche „des morgens und des mittags in der Kost gewesen“, wissen wir wenig, da sie sich mit ihren Familien nur während ihrer kurzen Amtszeit in Leutesdorf aufgehalten haben. Als letzter in der Liste des Pfarrers ist Johann Adam Damen aufgeführt, der 2 Reichstaler und 36 Albus spendete. Er war Zollknecht und wahrscheinlich ein Nachkomme des Irlicher Schultheißen Damen, der bei Religionsstreitigkeiten dort eine Rolle gespielt haben soll.

 

Diese Forschungsergebnisse veröffentlichte Bruder Suitbert Vöing (+ 1967) in mehreren  Ausgaben des Leutesdorfer Pfarrbriefs; sie sind hier gekürzt wiedergegeben. Damals musste das wertvolle, dreimanualige Werk durch die Firma Oberlinger restauriert werden; denn mittlerweile waren Schäden durch Heizungswärme, Holzwurm und natür­lich Abnutzung entstanden. Vorausgegangen war 1954 bereits eine Restaurierung durch die Firma Kemper, Lübeck.

Nunmehr sind 17 Jahre vergangen, und unsere Orgel zeigt erneut Ermüdungserscheinungen - diesmal umweltbedingt. Pfeifenorgeln in katholischen Kirchen sind im allgemei­nen durch eine höhere Anzahl von Gottesdiensten starken Verschmutzungen von Staub (Heizung) und Kerzenruß ausge­setzt. Deshalb ist eine Generalreinigung einer solchen Orgel nach etwa zehn bis zwölf Jahren vonnöten. In einem Gutachten vom 25. März 1985 der Orgelbaufirma Oberlinger heißt es dazu unter anderem: „Wie uns unsere Mitarbeiter berichten, ist die Orgel sehr verstaubt, so dass viele Pfeifen nicht mehr voll ansprechen können und keine gute Stimmung des Instrumentes möglich ist. Wir empfehlen daher dringend, die Orgel reinigen zu lassen. Hierbei müsste das gesamte Pfeifenwerk ausgebaut und nach einer gründlichen Reinigung und einer technischen Durchsicht des Instrumentes wieder eingebaut, nachintoniert und ge­stimmt werden. Die Kosten belaufen sich auf 12 000 DM zu­züglich Mehrwertsteuer.“

 

Der verstorbene Kenner Stumm‘scher Orgeln, Prof. Dr. Boes­ken, urteilt über die Leutesdorfer Stumm-Orgel: “Die Leutesdorfer Orgel ist das einzige erhaltene dreimanualige Werk, das heute noch mit Rückpositiv und Echowerk von dem ersten Meister der Familie Johann Michael Stumm auf unsere Zeit gekommen ist... Leutesdorf besitzt eines der tonschönsten und dispositionell interessantesten Werke des Landes Rheinland-Pfalz.“

W. Schönhofen

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zu der 1969 vorgenommen Restaurierung (90.000 DM) schreibt der damalig Domorganist Wolfgang Oehms in seinem Gutachten vom 18. Jan. 1971:

„Der Gesamtklang einerseits und die unterschiedlichen Mischungen andererseits vermitteln ein selten schönes und sehr charakteristisches Klangbild. Das ist nicht zuletzt auf die sorgfältig durchgeführte Restaurierung (Oberlinger) zurückzuführen.“

 

1996 schreibt der Orgelsachverständige Prof. Dr. Friedrich W. Riedel:

„...die im Aktenvermerk von Herrn Oehms vom 03.07.89 festgestellten Mängel bestehen weiterhin. Ursache für diese Mängel sind nicht etwa natürliche Verschleißerscheinungen und mangelnde Wartung, sondern der in totaler Unkenntnis der handwerklich und klanglich hervorragenden Stumm´schen Bauweise durchgeführte Umbau des Instrumentes in den Jahren 1969/70 (nährere Angaben im Gutachten des Stummexperten Prof. Eppelsheim vom 07.02.90), der fälschlicher­weise als “Restaurierung“ bezeichnet wurde, in Wirklichkeit aber eine unbegründete Total-entfernung von Windanlage und Mechanik, ferner grundlegende Veränderungen an Windladen und Spielanlage sowie Eingriffe in die Originalsubstanz der Pfeifen bedeutete. Offenbar war die Kirchengemeinde damals fachlich nicht gut beraten.Die Orgel leidet außerdem unter der starken Sonneneinstrahlung (bei sonnigem Wetter wäh­rend des ganzen Tages), die durch das ebenfalls 1969/70 vorgenommene Vorrücken von Hauptgehäuse und Rückpositiv verursacht wird.“

 

Zur Zeit wird also empfohlen, die Orgel wieder zurückzuversetzen und sie auf den Urzustand von 1735 zurückzurestaurieren. Diese Restaurierung würde mehr als 1 Million DM kosten, die Orgel wäre dann aber nur für Barockmusik zu verwenden; spätere Orgelmusik wäre nicht werkgerecht darzustellen. Um die teuere Restaurierung nicht sinnlos zu machen, müsste das Heizen der Kirche unterbleiben und u.U. eine Chororgel für den Gemeindegesang angeschafft werden. Zuschüsse seitens des Bistums sind bei der derzeitigen Finanzlage des Bistums ausgeschlossen. Wir werden also noch einige Jahre warten müssen bis wir das Projekt Stumm-Orgel angehen können.

Das Spendenkonto läuft indes weiter: 80 14 243 Sparkasse Neuwied 547 501 20 „Orgelspende“

 

Wem verdankt Leutesdorf seine Stumm-Orgel?

 

Unter dieser Überschrift berichtet Bruder Suitbert Vöing  über einen recht interessanten Leutesdorfer Pfarrer: “Im Jahre 1711 kam ein neuer Pastor nach Leutesdorf. Er hieß Johann Georg Bock, stammte aus Fulda, hatte dort studiert und war einige Jahre an der Liebfrauenkirche in Koblenz Kaplan. Er fand in Leutesdorf ein schlechtes Pfarrhaus vor und eine kleine alte Kirche, deren Hochaltar nach einem Bericht vorn Jahre 1727 armselig und deren eine Seitenwand dem Einsturz nahe war.Schon bald ließ Pastor Bock aus Mitteln der Pfarrei “inmitten von zwei öffentlichen Wegen“ ein neues Pfarrhaus bauen. (Es handelt sich um das ehemalige Weinhaus Zeus gegenüber des Friedhofs, heute Aztpraxis Anhäuser)... Das Haus musste nach dem Tode Pfarrer Bocks im Jahre 1742 hinterlassener Schulden wegen versteigert werden. Das Leutesdorfer Gericht hatte seinen Wert auf 800 Reichstaler geschätzt. Es kam für 600 Reichstaler an den Meistbietenden, den Hofrat Sohler, Vorsteher des Leutesdorfer Zolls, der im Zehnthof wohnte und 1750 die (später so genannte) Marienburg erbaute. Als in unserem Jahrhundert die Durchfahrt  zwischen Kirche und ehemaligem Pfarrhaus zu eng geworden war, riss man aas Haus im Jahre 1936 ab und baute es in genügendem Abstand wieder auf, (allerdings in vergrößerten Maßen.)(Pastor Bock veranlasste auch den Bau der heutigen Pfarrkirche.)Zum Bau und zur Instandhaltung der Pfarrkirche war der Trierer Kurfürst/Erzbischof verpflichtet, weil ihm als dem Landesherrn der “nasse Zehnt“ zustand. Das heißt, von fast allen Wingerten in der Gemarkung Leutesdorf erhielt er im Herbst den zehnten Teil der eingesammelten Trauben, die im Kelterhaus des Zehnthofes zu Wein bereitet wurden. Aus diesem Zehntrecht erwuchs ihm (neben Bau- und Unterhaltungspflicht der Pfarrkirche) ferner die Pflicht, für den Hochaltar und dessen Beleuchtung durch Kerzen, für das Öl zum Ewigen Licht  und für die Osterkerze zu sorgen. Ob Pastor Bock Mühe gehabt hat, den Kurfürsten von der Notwendigkeit des Kirchenbaues zu überzeugen, ist uns nicht überliefert. Doch ist im ältesten Nachbarschaftsbuch der Fischgasse der Beginn der Bau arbeiten aufgezeichnet: Anno 1728 den 8ten feberwaris ist ein Anfang gewesen, die Kirch abzupregen.“ Die neue Kirche, wie sie heute noch steht, war 1731 fertig und hatte wahrscheinlich einen sehr einfachen Hochaltar. Im übrigen war sie leer, denn die Aus­stattung des Kirchenschiffes oblag der Gemeinde. Was mag Pfarrer Beck veranlasst haben, als erstes eine solch prächtige und kost­bare Orgel zu beschaffen? Er war gewiss ein weitblickender, from­mer Mann, denn 1736 wurde er zum Landdechanten des Dekanates Engers gewählt. Aber auch von einer anderen Seite lernen wir ihn kennen:Noch 1772, dreißig Jahre nach seinem Tod, schrieb Vikar Karl Josef Mohr, den er 1736 als Priester an der Kreuzkirche eingeführt hatte, er habe “die Einnahmen und Ausgaben nach seiner Willkür  behandelt, ohne jemals die mindeste Rechnung abzulegen.“ Immerhin muss zuge­geben werden, dass es eines großzügigen Pfarrherrn bedurfte, um ein so erstaunlich großes Orgelwerk nach Leutesdorf zu bringen. Liebe zur Kirchenmusik und der Wunsch nach würdiger Feier des Gottes­dienstes werden bei seinem Entschluss maßgebend gewesen sein. Auch muss er Vertrauen in das Verständnis und die Opferfreudigkeit sei­ner Pfarrkinder gesetzt haben, als er mit dem Orgelbauer Johann Michael Stumm zu verhandeln begann... Ihn lernte er wahrscheinlich kennen, als er sich im Auftrag des Trierer Kurfürsten wegen einer Landaufnahme im Hochgerichtsbezirk Rhaunen aufhielt...Wie schon erwähnt wurde, hielt Pastor Bock nicht viel von Buch­führung. Die Folge war, dass er gegen Ende seines Lebens die wirt­schaftlichen Verhältnisse seiner Pfarrei nicht mehr überschauen konnte.Der Kurfürst  schickte ihm daher  im Jahre 1741 eine Kommis­sion zu Hilfe. Diese wieder beauftragte den Leutesdorfer Schultheißen Johannes Mohr mit der undankbaren Aufgabe, für die Einnah­men und Ausgaben Belege beizuschaffen...“ (Pfarrbriefe von 1967).Pastor Bock führte auch ein originelles Siegel; darüber fand ich folgende Notiz von Bruder Suitbert Vöing: „Um die Mitte des zwei­ten Jahrtausends vor Christus trug sich der Sage nach in Griechen­land folgendes zu: Der Ziegenhirt eines griechischen Stadtkönigs hatte beobachtet, dass ein Bock seiner Herde regelmäßig im Buschwerk verschwand und nach geraumer Zeit gesättigt und gutgelaunt zurückkehrte. Neugierig geworden, schlich er ihm nach und fand ihn wie er von wildwachsendem Rebengesträuch die überreifen Trauben fraß. Der Ziegenhirt kostete selbst von den Beeren und, da sie ihm mundeten, ergötzte er sich nach Herzenslust daran, und auch er geriet in eine angenehm gehobene Stimmung. Von da an hat man den Weinstock in ordentlicher Weise gepflanzt und auch gelernt, wie man mit ihm und dem Wein umgeht.Mehr als 3000 Jahre später kannte wohl Pastor Bock in Leutesdorf infolge seiner humanistischen Bildung... gewiss auch diese altgriechische Sage. Er führte nämlich in seinem Siegel ein Wap­penschild, das in Anspielung auf seinen Familiennamen einen Ziegen­bock zeigt, der auf den Hinterbeinen an einem Weinstock steht und von den Trauben nascht. Pastor Bock besiegelte mit diesem Bocksiegel zahlreiche Schriftstücke, auch den Vertrag mit dem Schreinermeister Johann Michael Leyen aus Koblenz über die Lieferung des Kreuzaltars in der Wallfahrtskirche Heiligkreuz...“Pastor Bock fand 1742 ein entsetzliches Ende: Er hatte sich im Zustand geistiger Verwirrung auf dem Speicher seines neuen Pfarrhauses erhängt. Sein Nachfolger verstarb bereits nach etwa drei Monaten in Leutesdorf. Erst der folgende Pastor Retterath aus Mayen musste das finanzielle Desaster, das Pastor Bock hinterlassen hatte, entwirren.

mitgeteilt von Werner Schönhofen